Risse im Beton
Korrosionsgefahr bei Ortbetongleitwänden

OLG Frankfurt (Beschl. v. 05.11.2019, Az.: 11 Verg 4/19)
Der Auftraggeber beschrieb die von ihm geforderten Betongleitwände wie folgt: „Schutzeinrichtung mit korrosionsgeschützter Bewehrung, Aufstellung auf vorhandener Asphaltdeckschicht“. Auf diese Aus­schreibung gingen zwei Angebote ein. Der preislich führende Bieter bot Betongleitwände aus Betonfertigteilen an. Der andere wollte die Wände aus Ortbeton errichten und vermerkte dazu, er verwende zum Korrosionsschutz PE-ummantelten Bewehrungsstahl. Als er erfuhr, dass der Zuschlag auf ein Angebot von Fertigteilen erteilt werden sollte, beantragte er die Nachprüfung. Er ist der Auffassung, dass bei der Herstellung von Fertigteilen die Forderung nach korrosionsgeschützter Bewehrung nicht eingehalten werde.

Auf den ersten Blick scheint er Recht zu haben: In Betonfertigteilen wird kein speziell geschützter Bewehrungsstahl verbaut. Doch der Frankfurter Vergabesenat schaut genauer hin, denn die Unterschiede liegen im Detail. Ortbeton wird in bis zu mehreren hundert Meter langen Abschnitten vor Ort gegossen. Beim Abbinden des Ortbetons entstehen je nach Witterung Schwindvorgänge, die bei der großen Länge der Abschnitte nicht ausgeglichen werden können. Im Ergebnis entstehen wilde Risse im Material, durch die Wasser bis zur Bewehrung vordringen kann. Das hat zur Instabilität früher Ortbetongleitwände geführt. Deswegen benötigt Ortbeton einen Korrosionsschutz am Bewehrungsstahl. Anders die Fertigteile: Sie sind nur wenige Meter lang und werden unter kontrollierten optimalen Bedingungen fabrikmäßig hergestellt. Eine Rissbildung ist dabei ausgeschlossen. Die vollständig dichte Betonummantelung schützt die Bewehrung bereits vor Korrosion.

Diese Umstände hätten einem fachkundigen Bieter bekannt sein sollen, sagt der Senat. Das Leistungs­verzeichnis könne nur so verstanden werden, dass der Bieter die Wahl hatte, eine der beiden Varianten anzubieten. Ein Ausschluss von Fertigteilen könne daraus nicht gelesen werden. Der Erstplatzierte behält den Zuschlag.

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